Ausgewählte Aktivitäten, Proletarische Kultur
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der ehrenwerte „Kultur“-Staatsminister Weimer auf seinen
verfassungsfeindlichen Wegen.
Wer da noch herzhaft lacht, hat
nichts wirklich verstanden2
(nach Che
Guevara)3
1997
In Jena wird auf dem Theatervorplatz ein Koffer mit Hakenkreuzen entdeckt, in ihr eine Bombe, allerdings ohne Energiequelle zum zünden. Gebastelt von denen, die später als NSU bekannt werden. Gebastelt von denen, die später unter den Augen des deutschen Staates, nämlich des Verfassungsschutzes, mordeten. Die Liste von versuchten oder durchgeführten Anschlägen auf Kunst und Kultur ließe sich fortführen4. Die Angriffe auf Kunst und Kultur von Staats wegen allerdings auch und dafür braucht es gar nicht die AFD (wenn diese auch sehr hilfreich ist), wie wir von unseren Aktionszügen „Der Anachronistische Zug oder Freiheit und Democracy“ bis hin zu „Klassenkampf statt Weltkrieg“, der Aberkennung des Bundespreis für Kunststudierende für Hanna S.5, oder der Absage der Stadt Gelsenkirchen an eine AfD-kritische Installation beim Lichtkunstfestival6, … wissen. Die „Entsiffung des Kulturbetriebs“ hat Marc Jongen als kulturpolitischer Sprecher der AFD 2018 angekündigt. Jetzt in Kriegszeiten ist das Regierungsangelegenheit.
Heute
Manche sagen: Wolfram Weimer, der Staatsminister für Kultur und Medien (besser: Beauftragter Staatssekretär für Kultur und Medien im Kanzleramt mit einem Monatssalär von mindestens 15.000,00 Euro plus Nebenkosten und Dienstwagen) sei ein sympathischer, dynamischer Mensch mit angenehmen Manieren, freundlicher Stimme und strahlendem Aussehen.
Manche fragen: das qualifiziert ihn wozu?
Der durch Friedrich Merz, seit 6. Mai 2025 ins Amt berufene Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, dieser seinerseits im Kulturbereich mit „wenig Expertise“ ausgestattet, so ein CDU-Mann7, sein nach Schiller- und Mann-Zitaten gerne googelnder8, Opern und Fußballfan, Vater von 3 Kinder und ihm, Merz, so imponierender katholischer Spezi-Nachbar von Gmund am Tegernsee, ausgestattet mit einem vergleichsweise überschaubaren Etat von 2,57 Mrd. Euro, der zu Allem was weiß und dazu auch gleich das Gegenteil äußern kann, brettert mit unverschämtem, kaum gebremstem Selbst- und Sendungsbewusstsein durch alle potentiellen kulturellen Fettnäpfchen dieser Republik als „Verteidiger der Kunst“:
Von der Genderverbots“-Empfehlung“ („Wer öffentliche Gelder erhält, soll nicht mehr gendern“)9 seines Hauses (mit Empfehlung an alle anderen Ministerien), zur Digital-und Streamingabgabe10 an Deutschland und die deutsche Filmproduzentengemeinde für vorwiegend US-amerikanische Konzerne, über die Neufassung der – weiterhin gedeckelten - Filmförderung11, die durchgehende Gleichsetzung von Links = Rechts („Hufeisen-Theorie“) in ihrer unbelegten Gleichsetzung von Faschismus und Kommunismus, zur auf diesem Hintergrund stattfindenden Umkrempelung des Gedenkstättenkonzepts seiner Vorgängerin Claudia Roth (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) von 2024.
In den Vordergrund gerückt wird nun nicht nur Weimers „Totalitarismusdoktrin“12, die zur Folge hat, dass in diesem Konzept anstelle der Verbrechen des Nationalsozialismus die DDR in den Focus gestellt wird. Neuer Titel des Weimer-Plans: „Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur“13, sein Hineingetrampel in die Berlinale-Internationale Filmfestspiele (was auch immer man von ihr halten mag) wegen der dort aufgeworfenen Palästinafrage14 und das Gepfusche um den Deutschen Buchhandlungspreis 2026, für den die von den Beamten des Beauftragten für Kultur und Medien selbst ausgewählten Jury 188 Buchhandlungen als preiswürdig vorgeschlagen worden waren. Weimer puscht 3 Buchhandlungen hinaus15. Sein Vorwurf: nach Erkenntnissen des um Hilfe gebetenen Verfassungsschutzes handle es sich um linke, „extremistische“ Buchhandlungen. Weimer garniert dann angesichts des sich erhebenden Proteststurms16 diesen Vorgang mit einer glatten Lüge, nicht er, sondern die „unabhängige“ Jury sei schuld am Ausschluss der drei Buchhandlungen17. Sodann flüchtete der Minister vor dem Protest der Verlage, Schriftsteller und Journalisten aus Leipzig18 und die Urkunden der Preisträger wurden per Post versandt.
Ein Gerichtsverfahren der verleumdeten und vom verliehenen Preis ausgeschlossenen Buchhandlungen steht Weimer ins Haus. Und schon folgt, schlau, schlau, der Plan aus dem Ministerium, einfach die Zusammensetzung der Jury schon im Vorfeld unter dem Aspekt der „Extremismusfrage“ auszufiltern, damit werde man schon die „Richtigen“ finden19 und solche Querelen wie 2026 vermeiden.
Die unmittelbar danach zu stellende Frage der Absage an den dringend notwendigen Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek20 löst massive Empörung aus. Soll halt alles digitalisiert werden, ein Buch im Archiv pro Erscheinung im Archiv reiche doch – meint Weimer.21
Und was sagt die Schwarz-Rote Regierung bis hierher?
Ach, Gottchen, was soll die Aufregung? Die Bundesregierung lehnt jede - längst bis in die bürgerlichen Kreise hinein erhobene - Rücktrittsforderung ab.22 und 23
Nun steht die nächste Kontroverse um die Gedenkfeier beim Jahrestag der Befreiung der KZ-Gedenkstätte Buchenwald am 12. April dieses Jahres an. Die Verbände „Lagergemeinschaft Buchenwald“ und die „Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald“ als Vertreter der der Häftlingshinterbliebenen rufen Weimer mit Blick auf den Skandal um den Deutschen Buchhandlungspreis zum Teilnahmeverzicht auf, das „Internationale Komitee Buchenwald Dora und Kommandos“ verweist dabei auf die geschichtlichen Parallelen von „Ausgrenzung und kultureller Kontrolle, deren Folgen verheerend waren“. Weimer aber besteht auf seinem Kommen (und hat dabei wiederum die aus öffentlicher Hand finanzierte Leitung der Gedenkstätte hinter sich).24
Wo kommt er her – wo geht er hin?
Der bis zum DDR-Annexionsjahr 1989 Geschichts-, Germanistik- und Politikwissenschaften vielfältig und international studierende und 1991 zum Thema „Die Kontroverse um die Bank of North America 1783-1787“ zum damaligen amerikanischen Bankenkrieg promovierte, „parteilose“ 52jährige, Artillerist und Panzergrenadier, angesiedelt wie alle seine Vorgänger seit 199825 direkt im Bundeskanzleramt, hat nach seinem Ausbildungsabschluss eine bunte publizistische Vergangenheit ab 1990 hinter sich (seine Lyrikband „Kopfpilz“ von 1986 lassen wir zum Wohle aller und dieses Textes weg26)27:
1990-1994 Redakteur der FAZ (in der Frankfurter Zentrale)
1994-1998 Korrespondent der FAZ in Madrid
1994-1998 bei der Axel Springer AG: Erst Vize-Chefredakteur von DIE WELT, dann deren Chefredakteur, dann Doppelchefredakteur von DIE WELT und BERLINER MORGENPOST
2003-2010 Gründer und Chefredakteur von CICERO (Magazin für politische Kultur)
2011-2012 im Burda-Verlag: 1 Jahr Chefredakteur des Nachrichtenmagazins FOCUS
Ab 2012 Gründer, Verleger und Geschäftsführer der WEIMER MEDIA GROUP28
Ab 2014/15 Gründung des Ludwig-Erhard-Gipfels (auch „Tegernsee Summit“)29 in Gmund am Tegernsee durch das Ehepaar Weimer (Tagungsort Gut Kaltenbrunn am Nordende des Sees mit malerischem Blick in die Berge, betrieben vom Münchner Gastromonarchen Michael Käfer): Vornehmlich die deutsche Haute Volée, die CEOs aus Wirtschaft, Banken und Politik (genannt auch „Deutschlands Meinungsführertreffen“ bzw. das „Deutsche Davos“) trifft sich jährlich gegen Bezahlung auch durchaus enormer Teilnehmer- und Beziehungssummen30 an die WEIMER MEDIA GROUP. Ein Preis wird gestiftet: „Freiheitspreis der Medien“ (Stiftungspreis des Ehepaars Weimer). Motto in diesem Jahr 2026: „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“
2025 Ernennung zum Kulturstaatsminister im Mai
2026 Niederlegung des Geschäftsführerpostens der WEIMER MEDIA GROUP aufgrund der Verquickung von Amt und Profitinteressen und dem Duft der Käuflichkeit der dort anwesenden Politiker. Weimer bleibt aber weiter Anteilseigner an der augenblicklich nur von seiner Ehefrau, der sehr vermögenden Christiane Goetz-Weimer, geführten MEDIA GROUP (Kuckuck: ein Treuhänder verwaltet zwischendurch die Anteile des „ehrlichen“ Ministers).
Weimers „Konservatives Manifest“ von 201831 - ein kurzer Blick in Weimers Gedankenwelt
Zitat aus dem Artikel von Claudius Seidl in der SZ vom 12.3.26, S.6
„Weimer war noch nicht im Amt, da kamen schon die ersten Zweifel auf: Man musste nur durch Weimers ‚Konservatives Manifest‘, ein schmales Buch von 2018, blättern und die krassesten Stellen notieren, dann glaubte man einen bösen Reaktionär zu sehen, einen Mann mit starkem antiaufklärerischem Furor und zum Teil geradezu bizarren Ansichten zum Kolonialismus (schade, dass Europa ihn aufgegeben hat), zur Demografie (schade, dass das “deutsche Blut“ weniger wird), zum Lauf der westlichen Welt: „Wir hecheln nurmehr von Zeitgeist zu Zeitgeist“, von Mode zu Mode, von Markt zu Markt. Wir verlernen in der Hatz nach dem Morgen, ein Gestern zu haben.‘
Wer das ganze Buch las, merkte, dass Weimer darin selbst von Thema zu Thema hechelt; dass man fast zu jeder Aussage auch deren Gegenteil finden kann, ja, dass Weimer sich selbst selten daran zu erinnern scheint, was er kurz zuvor schrieb.“
Und WIKIPEDIA vermeldet:
[In seinem Buch] formuliert Weimer seine „Zehn Gebote der neuen Bürgerlichkeit“ u.a.
Person würdigen
Familie lieben
Nation ehren
Tradition hegen
Recht und Ordnung respektieren
Gott achten
Ein Presseorgan des Bürgertums, die Süddeutsche Zeitung, vermutet: „Dahinter steckt ein größerer Plan“. Die große Politik in Kriegszeiten und das HABER-Verfahren
Markus Balser und Ronen Steinke schreiben in der SZ32 :
„Die ganze Aufregung um Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Der Buchhandlungen heimlich durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) überprüfen ließ. Sie ist allem Anschein nach nur ein kleiner Teil eines viel größeren Plans. (..) (Es) wirbt das Bundesinnenministerium unter Alexander Dobrindt (CSU) bei Ministerien und Behörden des Bundes dafür, es Wolfram Weimer gleichzutun.
Die Rede ist von einem flächendeckenden Vorgehen: Staatliche Stellen, heißt es, müssten sicherstellen, dass Fördergeld nicht an Extremisten fließt. Personen oder Gruppen, über die dem Verfassungsschutz relevante Erkenntnisse vorliegen, sollte kein Geld gewährt werden. Behörden müssten dann eigentlich bei jedem Antrag den Verfassungsschutz konsultieren, bevor sie Fördergeld an Bürgerinnen und Bürger herausgeben, in welcher Form auch immer. [Im Fall des Kulturstaatsministers war dies die Form von Preisgeld].“
Ist das wirklich neu? Nein:
„Schon seit Februar 2017 [Anm.: also unter der Großen Koalitin aus CDU/CSU und SPD] bietet das Innenministerium anderen staatlichen Stellen an, heimlich vorab Erkundigungen durch den Verfassungsschutz einzuholen, also überprüfen zu lassen, ob gegen die betreffenden Personen ‚verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse‘ vorliegen. Eine E-Mail an den Verfassungsschutz genügt, bei der das Bundesinnenministerium, Abteilung Öffentliche Sicherheit, stets in Kenntnis zu setzen ist.
Damals hieß der Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Seine Staatssekretärin Emily Haber (Hervorhebung durch den Autor), die spätere Botschafterin in den USA, schrieb in einem vierseitigen ‚Erlass‘ [diesbezüglich] an alle Ministerien. (…) Das Verfahren sieht (..) vor, dass der Inlandsgeheimdienst in seiner Datenbank nach den betreffenden Personen sucht, dem ‚Nachrichtendienstlichen Informationsdienst‘, kurz NADIS. Anschließend suchen die Beamten auch noch in ‚offenen Quellen‘, also beispielsweise im Internet.33 Das Ziel: Verhindern, dass mit Steuergeld Verfassungsfeinde gefördert werden. (…) Unter allen Umständen – darauf dringt Dobrindts Haus ausdrücklich – soll [‚Aus Sicherheitsgründen‘) vor den Förderempfängern verheimlicht werden, dass es eine Abfrage beim Verfassungsschutz gab. Der Wunsch des Ministeriums ist nun: Alle sollen das Verfahren nach Möglichkeit viel häufiger nutzen, nicht mehr nur punktuell in besonderen Verdachtsfällen.
Eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Clara Bünger förderte vor wenigen Monaten zutage, welche Dimension die Prüfung bislang schon angenommen hatte. Insgesamt wurden in den Jahren von 2020 bis 2024 etwa 1.230 zivilgesellschaftliche Organisationen und fast 1.300 Einzelpersonen geprüft. In mehr als 200 Fällen meldete der Verfassungsschutz dann ‚verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse‘ an die Behörden zurück. In der Regel bedeutete das: Fördergeld wurde nicht bewilligt, und die Personen erfuhr nicht, warum.“
Als eine der ersten nach Regierungsantritt34 wandte nun die Familienministerin Karin Prieb (CDU) das Haber-Verfahren für ihre Behörde an: 400 direkte Partner und 3.000 Projekte als „Letztempfänger der Bundesmittel“ wurden stärker unter die Lupe genommen.
Bürgerliches Recht?
„Die Rechtsgrundlage für dieses Verfahren gilt unter Fachleuten als zweifelhaft. Darauf hat (…) der Verfassungsrechtler Christoph Mölklers von der Berliner Humboldt-Universität (..) hingewiesen, seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 202235 sei klar, dass der Verfassungsschutz nur in seltenen Fällen seine geheime Einschätzung an Behörden weitergeben dürfe – nämlich nur dann, wenn das Parlament ihn dazu explizit per Gesetz beauftragt habe oder wenn es um die Abwehr ernster Gefahren gehe.“ (ebenda)
Im Übrigen: Dass der Weimer empörende Spruch „Deutschland verrecke bitte“ auf der Fassade des Buchadens Golden Shop, eine lange ironische Geschichte hat und von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, hatte das Bundesverfassungsgericht bereits im Jahr 2000 festgestellt.36
War da was mit Parlament oder Bundesverfassungsgericht?
Nächste Meldungen37:
SZ Nr. 71, 26.3.2026 S.5: „Auf Kritik am Kanzler folgt der Förderstopp. Geldentzug für ein Berliner Demokratieprojekt: Straft das Innenministerium unliebsame Meinungen ab?“
Dabei ging es um vom Innenministerium einer Organisation namens „Radikale Töchter“ mit ihrem Projekt „Mut-Muskel-Training: Kunst für Demokratie“ in Aussicht gestellte 287.000,00 € Fördermittel, die dann dem bereits laufenden Projekt nach dem Regierungswechsel ohne weitere Begründung gestrichen wurde. Hatte doch die Gründerin des Projekts, Cesy Leonard, im Oktober scharfe öffentliche Kritik an der „Stadtbildäußerung“ des Bundeskanzlers geübt und 250.000 Stimmen gegen diese „Salonfähigmachung des Rassismus“ gesammelt. Sogleich erfolgte die Mittelstreichung durch Staatssekretär Wüste, einem Dobrindt-Vertrauten.
Zu dieser Absage erklärt der GRÜNEN-Sprecher im Bundestag, Emmerich: „Die Entscheidung des Innenministerium grenzt an Willkür, die Ablehnung war völlig intransparent.“
Auch REPORT MAINZ berichtete.
Und schon kommt laut Süddeutscher Zeitung vom 26.3.2026 in Berlin die Forderung von SPD und CDU, das Berliner Informationsfreiheitsgesetzes (IFG) von 1999 massiv einzuschränken. Es hatte auch das Ziel verfolgt „…über die bestehenden Informationsmöglichkeiten hinaus die demokratische Meinungs- und Willensbildung zu fördern und eine Kontrolle des staatlichen Handelns zu ermöglichen.“38.
Von diesem Gesetz, das als eines der fortschrittlichsten in Deutschland in Bezug auf die Informationsmöglichkeiten und Akteneinsicht des Einzelnen gegenüber Behörden, Verwaltungen, Gerichten des Landes Berlin, Anstalten und Stiftungen des Öffentlichen Rechts galt, wird kaum mehr etwas übrigbleiben.39
Und der jüngste Fall dieser Streichungspolitik aus „heiterem Himmel“ in dieser vergangenen Woche bezieht sich auf den „Hauptstadt-Kulturstadtfonds (HKF), ein mit 15 Millionen Euro jährlich vom Bund finanziertes Programm zur Förderung von Kunst und Kultur in Berlin.40 Dabei ging es darum, dass viele Werke wichtiger palästinensischer Autoren bislang nicht ins Deutsche übersetzt worden waren. Dies sollte nach Auswahl von 75 förderungswürdigen Projekten aus 400 Vorschlägen durch eine paritätisch besetzte unabhängige Jury, deren Empfehlung das Kulturstaatsministerium bislang immer gefolgt war, in einem mit 30.000 EUR dotierten „literaturhistorischen“ Workshop geklärt werden. Das Projekt sei „zurückgestellt“, war die Antwort auf die Nachfrage der Verantwortlichen des HKF, als sie dieses Projekt im „Bewilligungsbescheid“ nicht wiederfanden. Eine „politische Einmischung“, wie sie der Jury bislang noch nie untergekommen war. Unlängst schon hatte Merz zur Verwunderung der Fachwelt einen erzkonservativen Archäologen und früheren Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum neuen Kurator des HKF berufen.
Wie groß ist die Angst der herrschenden Klasse!
Alle, die sich um die Verteidigung des bürgerlichen Rechts auch in Fragen der Kunstfreiheit bemühen, seien an Brechts offenen Brief von 1951 an die deutschen Künstler und Schriftsteller erinnert:
Berlin 195141
Mit Entsetzen habe ich, wie viele andere, der Rede Otto Grotewohls, in der er eine gesamtdeutsche Beratung zur Vorbereitung allgemeiner freier Wahlen fordert, entnommen, wie ernst die Regierung der Deutschen Demokratischen Republik die Lage in Deutschland beurteilt.
Werden wir Krieg haben? Die Antwort: Wenn wir zum Krieg rüsten, werden wir Krieg haben.
Werden Deutsche auf Deutsche schießen?
Die Antwort: Wenn sie nicht miteinander sprechen, werden sie aufeinander schießen.
In einem Land, das lange Zeit seine Geschäfte einheitlich geführt hat und das plötzlich gewaltsam zerrissen wird, gibt es allerorten und allezeit viele Konflikte, die geschlichtet werden müssen. Dies kann auf viele Weise geschehen. Wenn es Heere gibt, wird es auf kriegerische Weise geschehen. Spätestens, wenn die Gefahr auftaucht, daß solche Heere entstehen, muß unter allen Umständen eine neue Anstrengung gemacht werden, die Wiedervereinigung auf friedlichem Wege herbeizuführen, welche, abgesehen von den ungeheuren Vorteilen solcher Einheit, die Konflikte beseitigt. Die Menschen aller Berufe, alle gleich bedroht, müssen dazu beitragen, die Spannungen zu beseitigen, die entstanden sind.
Als Schriftsteller wende ich mich an die deutschen Schriftsteller und Künstler, ihre Volksvertretungen zu ersuchen, in einem frühen Stadium der erhofften Verhandlungen folgende Vorschläge zu besprechen:
1. Völlige Freiheit des Buches, mit einer Einschränkung.
2. Völlige Freiheit des Theaters, mit einer Einschränkung.
3. Völlige Freiheit der bildenden Kunst, mit einer Einschränkung.
4. Völlige Freiheit der Musik, mit einer Einschränkung.
5. Völlige Freiheit des Films, mit einer Einschränkung.
Die Einschränkung: Keine Freiheit für Schriften und Kunstwerke, welche den Krieg verherrlichen oder als unvermeidbar hinstellen, oder für solche, welche den Völkerhass fördern.
Das große Carthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch
bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.
Genosse Michael
Leitung der Agitproptruppen
Arbeiterbund für den
Wiederaufbau der KPD
26.03.26
1 Siehe den FAZ-Artikel von Jürgen Kaube vom 27.04.2025 „Sorgen um die Fortdauer des eigenen Blutes“ im IZ 748, S. 26 ff.
2 Z.B. bespöttelt Hilmar Klute in der SZ unter Bezugnahme auf den Leipziger Buchhandlungspreis-Skandal unter der Überschrift „Nicht witzig, nicht mutig. Intellektuelle, die mit Nazi- und Hitlervergleichen Ärger bekommen, sind nicht zwingend Helden der Meinungsfreiheit. Sie sollten lieber den eigenen Hang zum Krawall bekämpfen“ den Hinweis auf die McCarthy-Ära in den USA als „Krawall“. SZ Nr.66, 20.3.2026, S.9
3 Das Originalzitat soll lauten: "Wer herzhaft lacht, hat mich nicht richtig verstanden." Quelle ungewiss.
4 Volkstheater – Der rechte Angriff auf die Kunstfreiheit, Peter Laudenbach, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2023
5 https://antifainfoblatt.de/aib147/kein-kunstpreis-fuer-hanna-eine-rechte-inszenierung
6 https://www.welt.de/vermischtes/article68dd38c0841ec4e7d026839d/kunstfestival-in-gelsenkirchen-absage-an-anti-afd-kunst-kuenstlerin-wirft-stadt-zensur-vor.html#:~:text=Absage%20an%20Anti-AfD-Kunst%20--%20K%C3%BCnstlerin%20wirft%20Stadt%20Zensur%20vor
7 „Welchen Plan verfolgt Weimer?. Das Vorgehen des Kulturstaatsministers gibt vielen Menschen Rätsel auf – auch im eigenen politischen Lager“. SZ Nr. 65,19.3.2026 S.9
8 „Wolfram Weimer, Kulturlaie, Kulturstaatsminister, Kulturaufseher“, SZ Nr.56, 93.26, S.4
9 ZDF-Meldung vom14.08.2025
10 ZDF-Meldung vom 18.07.2025
11 wie Fußnote 6
12 „Alles für die Staatsräson“. Totalitarismus-Doktrin als Fundament. Über Wolfram Weimers neues Gedenkstättenkonzept“, Junge Welt vom 28.11.2025 – ein hervorragender und differenziert recherchierter Artikel
13 Weimer betont dazu, in Roths Papier sei die Schoa relativiert und mit dem deutschen Kolonialismus vermengt worden. Er werde – was die Erinnerungskultur betreffe -, zu einer klaren Haltung zurückkehren. Seiner Ansicht nach sei der deutsche Holocaust eben „nur singulär“. Siehe Fußnote 6.
14 „Kultur: Wie Wolfram Weimer der Berlinale schadet“, FREITAG vom 26.02.2026
15 „Vom Buchladen zur Terrorzelle. Ausschluss vom Buchhandlungspreis: Wolfram Weimer schießt mit den Kanonen des Verfassungsschutzes auf linke Bücher. Das könnte ein Kompliment an die Macht der Worte sein – es ist aber absurd“, SZ Nr. 56, 9.3.2026, S.9
16 „Wir halten diese Art der Gesinnungsprüfung für vollkommen inakzeptabel. Wolfram Weimer verteidigt sein Vorgehen gegen linke Buchhandlungen als Kampf gegen den Extremismus. Ein Gespräch mit Sebastian Guggolz, Chef des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.“ In SZ Nr.56, 8.3.2026, S.9
17 In: „Großes Kino: Das Gesamtkunstwerk Wolfram Weimer“, WELT,11.3.26
„Buchhandlungen sehen sich in E-Mail getäuscht“, tagesspiegel, 11.3.26
„Gegen Kulturstaatsminister Weimer steht der Vorwurf der Lüge im Raum. Mit Verweis auf eine standardisierte E-Mail versucht sich der Politiker zu verteidigen – und lässt einige Fragen unbeantwortet“, ARD 11.3.26
„Der falsche Mann. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer erscheint so überfordert, dass er sich nicht anders zu helfen weiß, als dreist die Unwahrheit zu verbreiten. Ist der Schaden noch zu reparieren?“, SZ Nr. 59, 12.23.26, S.9
18 „Weimer sagt Verleihung von Deutschem Buchhandlungspreis ab“, FOCUS. 10.03.26
„Nach Ausschluss dreier Geschäfte: Weimer sagt Verleihung des Buchhandelspreises ab“. ARD, 10.3.26
„Weimer sagt Preisverleihung ab. Kulturstaatsminister zieht Konsequenzen aus Verfassungsschutz-Skandal“, SZ Nr.58, 11.03.26, S.1, ebenda „Ins Aus manövriert“ (S.4), ebenda „So zerstört man eine Institution“, S.9
19 Kurioserweise war die Jury auch in diesem Jahr schon vom Ministerium ausgesucht worden – sie hatte halt nur „falsch“ entschieden, war also „nur falsch zusammengesetzt“
20 „Das war einfach Quatsch. Kulturstaatsminister Weimer stoppt Nationalbibliothek – und wird weiter kritisiert“. Münchner Merkur, 14./15.3.26. S 17
„Nachsitzen im Neonlicht. Wolfram Weimer tritt wieder in Leipzig auf. Im trostlosesten Raum der Deutschen Nationalbibliothek, deren Ausbau er bis vor Kurzem verhindern wollte.“ S. Nr. 67, 21./22.3.2026, S.15
„Bloß nicht wie in Stuttgart. 44 Millionen soll der Neubau des Deutschen Literaturarchives kosten. Man könnte sich freuen – hätte Wolfram Weimer nicht den Umbau der Nationalbibliothek in Leipzig gestrichen“. SZ Nr. 64, 18.3.2026, S.9
21 taz vom 4.3 26: „Ausschluss vom Buchhandlungspreis – Gesinnungsschnüffelei im Buchladen. Wolfram Weimer schließt drei linke Buchläden vom Preis aus – mit Hilfe des Verfassungsschutzes. Damit könnte er selbst gegen das Grundgesetz verstoßen“.
„Weimers Sorgen“, junge welt vom 5.3.26, S.10
„Kein öffentliches Geld für Extremisten“ in FAZ, 4.3.26
„Die Weimerer Republik. Der Konflikt um Wolfram Weimer und den Buchhandlungspreis zeigt: Wie in den USA wird in Deutschlands Kultur zum Experimentierfeld, auf dem ideologische Verschiebungen schon mal erprobt werden.“ SZ Nr.67, 21./22.3.26. S.15
„Angezählter geht nicht. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wird bei der Eröffnung der Leipziger Buchmesse ausgebuht und für seinen ‚autokratischen Gestus‘ abgewatscht.“ SZ Nr.66, 20.3.2026, S.11
22 „Scharfe Kritik an Weimer – Regierung weist Rücktrittsforderung zurück“, WELT, 11.3.26
„Kultur: Wirbel um Weimer: Regierung weist Rücktrittsforderung zurück“, tagesspiegel, 11.3.26
„Kulturkampf des Kulturstaatsministers: Streicht Weimer von der Ministerliste!“. taz vom 11.3.26
23 Im Feuilleton der SZ vom 27. März schreibt Jörg Häntschel auf S. 10: „Seit Wochen fragen sich viele Menschen in Berlin, wie lange sich Friedrich Merz das Tun von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer noch ansehen will. Die Antwort gab Merz am Mittwoch im Bundestag: ‚Wolfram Weimer hat mein Vertrauen‘. Sagte er. Sein Agieren stoße nicht nur bei ihm auf ‚‘große Zustimmung, sondern auch ‚im gesamten Bereich von Kultur und Medien‘, wenn auch nicht ‚bei allen und jederzeit‘. Weimers Unterstützer, wenn es sie denn gibt, haben sich bislang mit Applaus zurückgehalten. Dafür melden sich fast täglich Leute zu Wort, die entsetzt von ihren Erfahrungen mit der neuen Linie in der Kulturpolitik berichten. Zu deren Praktiken scheint zu gehören, dass die Entscheidungen unabhängiger Jurys nicht mehr als gesetzt gelten. Wenn der Politik ein Votum missfällt, streicht sie es offenbar, auch ohne ‚Erkenntnisse‘ des Verfassungsschutzes wie beim Buchhandlungspreis.“
24 „Weimer könnte doch sagen: Ich verzichte auf meinen Auftritt“. SZ Nr. 70, 25.03.2026, S.9
25 Eingeführt unter Bundeskanzler Gerhard Schröder 1998 von der Rot-Grünen Koalition - siehe SZ Nr. 56 vom 9.3.26, S. 4
26 https://taz.de/Alte-Gedichte-des-Kulturstaatsministers/!6132059/
27 „Lebenslauf Wolfram Weimer“ auf https://kulturstaatsminister.de
28 WIKIPEDIA: Die Weimer Media Group GmbH ist ein Verlag mit Sitz in Tegernsee. Er wurde 2012 von Wolfram Weimer und Christiane Goetz-Weimer gegründet und umfasst rund ein Dutzend Medienmarken Bereich Wirtschaftsjournalismus. Printmedien und Onlinedienste wie: The European. Der WirtschaftsKurier, das Pflichtblatt der Börse München, Börse am Sonntag und der Regionalbörsen, Denkzeit in Kooperation mit dem Schweizer Monat und bis 2025 Business Punk, nebenbei noch kommentierend bei FOCUS online und ntv. Anmerkung: Ach ja, auch das Satiremagazin PARDON gehört in dieses Portfolio.
29 www.ludwig-erhard-gipfel.de und https://weimermedia.de („Wir vernetzen Entscheider“). Wer sich gruseln will, kann seinen Hass trefflich nähren bei Besichtigung dieser WEB-Seiten
30 Die „Eintrittskarte“ für das Kongress-Gesamtticket (ohne Gipfelnacht) kostet dem einzelnen Teilnehmer schon mal 3.213,00 € (nach SZ online vom 28.4.25 „Die Tegernsee-Connection“). Die „Top-Pakete“ für die besten Kunden mit den besten Connections kosten dann schon mal 60.000 € (das „Matterhorn-Paket“) oder 80.000 € (das „Montblanc-Paket“) nach SZ online vom18.11.25
31 Siehe auch Fußnote 1
32 SZ Nr. 60,13.3.2026, S.6 und Christoph Möllers in der SZ Nr.56 vom 9.3.2026, S.9 „Im Gesetz nicht vorgesehen. Mit dem Verfassungsschutz gegen Buchläden und Umweltprojekte? Über das politische Weltbild hinter dem ‚Haber-Verfahren‘ und dessen wackelige rechtliche Grundlage“
33 www.bundestag.de schreibt: „Die Kriterien des Haber-Verfahrens sind nicht explizit in den gesetzlichen Vorgaben festgelegt, sondern basieren auf der Praxis und den Anforderungen der Bundesministerien. Die Überprüfung erfolgt auf Anfrage und kann bereits bei der Teilnahme an Veranstaltungen oder Diskussionen angesetzt werden. Ziel ist es, eine missbräuchliche Inanspruchnahme staatlicher Leistungen durch extremistische und terroristische Organisationen zu verhindern.“ Heißt also: undurchschaubar, willfährig dem Auftraggeber.
34 Auch Claudia Roth (Bündnis 90/ DIE GRÜNEN) hat während der Corona-Epidemie in ihrer Stellung als Kulturstaatsministerin gegen einen rechten Verlag das Haber-Verfahren in Anspruch genommen. Sie habe aber, da es damals keine Jury gab, sagt sie, bevor sie gegen diese rechte Organisation hätte vorgehen können, im Vorhinein ein Gutachten eingeholt, um die Frage zu klären, ob deren bereits ausbezahlte Fördergelder zurückgefordert werden könnten.
35 SZ Nr.60, 13.3.2026, S.6
36 „Extremisten überall? Will der Kulturstaatsminister bald Jurys für Preise und Stipendien auf ihre Gesinnung überprüfen?“ SZ Nr.68, 23.3.2026, S.9
37 Ich illustriere hier nur 3 Bereiche der gegenwärtig massiven Eingriffe.
Heribert Prantl allerdings zählt in seinem Meinungsartikel auf S.5 der SZ Nr.72 vom 27. März 2026 unter der Überschrift „Austrocknen. Wie und warum die Regierung Merz Demokratieförderprogramme einstellt: Weil sie die Zivilgesellschaft nicht mag“ zahlreiche Projekte und Organisationen auf, bei denen „umgeschichtet“ werden soll (ein wunderbares Wort für massive Streichungen!)
38 Das Berliner Informationsfreiheitsgesetz (IFG) gewährt jedem das Recht auf Akteneinsicht und Aktenauskunft bei öffentlichen Stellen in Berlin, um die Transparenz und Kontrolle staatlichen Handelns zu fördern.
Das Berliner Informationsfreiheitsgesetz (IFG) wurde 1999 eingeführt und ermöglicht es allen Bürgerinnen und Bürgern, sowie juristischen Personen, Informationen von öffentlichen Stellen in Berlin zu beantragen. Dies umfasst nicht nur die Senats- und Bezirksverwaltungen, sondern auch Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts sowie private Unternehmen, die hoheitliche Aufgaben wahrnehmen. Das IFG gilt nicht uneingeschränkt für alle Informationen. Ausnahmen bestehen insbesondere für Gerichte und Staatsanwaltschaften, wo der Zugang nur für Verwaltungsakten gewährt wird. Zudem können schützenswerte Informationen, die das Gemeinwohl gefährden könnten, von der Einsichtnahme ausgeschlossen werden.
39 „Bald so intransparent wie Bayern. Berlin will seine Behörden größtenteils von ihren Auskunftspflichten befreien. Kritiker sprechen von einer ‚massiven Einschränkung der Informationsfreiheit‘“. SZ Nr. 71, 26.3.2026 S.6
40 „Was heißt ‚zurückgestellt‘. Wolfram Weimer greift weiter in die Arbeit von Jurys ein: jetzt beim Haupstadtkulturfonds.“ SZ Nr.72 vom 27.3.2026, S.10
41 Offener Brief an die deutschen Künstler und Schriftsteller, Grosse kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe, Schriften 3,1942-1956, S.155 f.
Die größte Produktivkraft ist der Mensch.
Wo Arbeiter unter die Waffen der Bourgeoisie gehen,
siegt die Barbarei und erstirbt jede Kultur.
Auch die bürgerliche.
Die Geige muss in den Luftschutzkeller.
Wo Arbeiter die Waffen ergreifen zur eigenen Befreiung
erblüht Kultur. Eben die Kultur der Befreiung.
Und die Geige findet ihren Zweck im revolutionären Kampf des Proletariats.
Sie klingt jetzt anders
Wir laden Sie ein, oder mehr noch, rufen Sie auf am 9. Mai 2025, also im 80. Jahr des Sieges über den deutschen Völkermord, teilzunehmen am Friedensmarsch und internationaler Manifestation mit Beteiligung aus Europäischen Ländern am Ort der Niederlage des deutschen Imperialismus und der Befreiung des deutschen Volkes vom Hitler Faschismus - in Potsdam.
Denn Faschismus und Krieg sind nicht schon einmal einfach über die Deutschen gekommen. Und ebenso wenig kommt die Barbarei von der Barbarei. Ebenso wenig kommen heute die Erosion des bürgerlichen Rechtsstaates, die Willkür in Gesetzesform, die gezielte Enthumanisierung des gesellschaftlichen Zusammenlebens und die Angriffe auf die Freiheit der Kunst einfach über uns. Sie haben ökonomische Ursachen. Erhaltung und Ausweitung des Kapitalbesitz ist treibend für Krieg – damals wie heute.
Erst 80 Jahre sind vergangen, seit das deutsche Volk vom Hitlerfaschismus befreit wurde durch die Völker der Anti-Hitler-Koalition und durch die Kämpfe von Arbeitern in den internationalen Roten Brigaden. Durch ihre Taten, durch ihren Widerstand schenkten sie nicht nur uns die Befreiung, sondern auch der ganzen Welt. Uns ist gemein das Wissen, dass sich Millionen und Ungezählte zusammenschlossen, um die Barbarei zu besiegen, unter ihnen auch Künstler und Kulturschaffende.
Aus verschiedenen, politischen Strömungen kommend erkannten damals Schriftsteller wie Bertolt Brecht, Thomas, Heinrich und Klaus Mann, Ernst Toller, Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig, Käthe Kollwitz, Erich Kästner und Oskar Maria Graf die Notwendigkeit einer Volksfront gegen Krieg und Faschismus: „Es gilt, endlich einen Schritt zu tun, zum Aufbau einer einheitlichen Arbeiterfront.“ Ludwig Renn, Gustav Regler, Alfred Kantorowicz, Hanns Eisler, Ernst Busch oder Arthur Koestler reihten sich ein in die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg. Und mit ihnen Intellektuelle wie André Malraux, George Orwell oder Ernest Hemingway. Laut letzterem schuldet bekanntlich jeder Mensch, der die Freiheit liebt, der Roten Armee mehr als er jemals bezahlen kann.
Heute, trotz wieder aufkommendem Faschismus und Kriegsreiberei, trotz zunehmender Unterordnung der gesamten Gesellschaft unter den Krieg und die Verwandlung unseres Lebens in einen Kasernenhof leben wir dank des Kampfes der Partisanen, der Armeen des Friedens in einer Freiheit, die uns noch den Widerstand ermöglicht, um Faschismus und Krieg zu verhindern. „Mit uns kein drittes Mal!“- dafür ist der Widerstand eines jeden Einzelnen nötig.
In welchen Ausmaß werden Kunst und Kultur bereits jetzt von Krieg zunichte gemacht! Wie viele Kunst- und Kulturstätten werden in heutigen Kriegen zerstört! Wie viele Kinder und Jugendliche werden keine Bücher lesen, keine Bilder und Skulpturen betrachten können, auf keiner Theaterbühne stehen. Ihre Köpfe werden nicht irritiert oder mit Bildern zum Nachdenken gebracht! Statt dessen werden sie zum Kanonenfutter, auch hierzulande wird die Wehrpflicht kommen.
Wie sehr die Kulturbarbarei auf der Welt und hierzulande wieder Einzug halten kann, das liegt in unseren Händen. „Ein kluger Kopf passt unter keinen Helm“ sagte uns Albert Einstein. Wir müssen uns fragen lassen wie viel und - vor allem - welche Kunst und Kultur wird noch möglich sein, wenn alles Tun und Schaffende unter den Militärhaushalt untergeordnet wird?
Heute sind die deutschen Kapitalisten mit ihren Hauptindustrien Automobil, Chemie und Elektro im Kampf gegen den eigenen Untergang und man braucht nur das Handelsblatt aufzuschlagen, um eine Begrifflichkeit vom Krieg der Monopole untereinander und von den geplanten Schlachtopfern in ihren Fabriken und in der gesamten Bevölkerung zu bekommen. Hier beginnt man zu begreifen, dass ihnen nur eine Lösung bleibt: der Krieg nach außen.
Faschismus und Krieg und die Vorbereitung beider kann nur bekämpfen, wer bereit ist, das private Eigentum anzugreifen - das lehrt uns die Geschichte. So steht heute wieder in aller Schärfe für jeden Kunstschaffenden die Frage: Auf welcher Seite stehst Du? Welcher Seite nützt Du mit Deinem Werk, mit Deiner künstlerischen Tätigkeit?
Welche Möglichkeiten haben doch Kunst- und Kulturschaffende! Die Kunst als Waffe gegen Faschismus und Krieg für das Ende der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen! Der Widerstand gegen Faschismus und Krieg von Paris bis Athen, von den Bergen Norditaliens bis zu den Wäldern Russlands wurde in zahlreichen Plakaten, Schriften, Skulpturen, Theaterstücken und auch Liedern zum Ausdruck gebracht. Und einige dieser Lieder werden wir singen als Kampf- aufruf für heute.
Das alles sind Gründe, warum wir aufrufen zu einem Friedensmarsch am Ort der Niederlage des deutschen Faschismus, in Potsdam. Am 9. Mai 2025, um 11 Uhr ab Glienicker Brücke. Und einer Manifestation mit Widerstandskämpfern und Vertretern aus Europäischen Ländern am Ort des Friedensvertrags Cecilienhof.
„Wir kommen wieder! Ihr kommt nicht durch – No pasarán!“
Mit revolutionären Grüßen,

Angela Kammrad
für die Zentrale Leitung der Agitproptruppen des Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD
11. April 2025
Kontakt:
Zentrale Leitung der Agitproptruppen des Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD,
Tulbeckstraße 49, 80339München
Faber, mein Sohn Faber
Den ich trug und den ich aufzog
Mein Sohn Faber!
Und ich lief und lief durch Schatten
Und vorbei an Schatten hin zu Schatten
Faber rufend, bis ein Pförtner drüben
In den Lagern der im Krieg Gefallenen
Mich am Ärmel einhielt und mir sagte:
Alte, hier sind viele Faber. Vieler
Mütter Söhne, viele, sehr vermisste
Doch die Namen haben sie vergessen
Dienten nur, sie in das Heer zu reihen
Und sind nicht mehr nötig hier. Und ihren
Müttern wollen sie nicht mehr begegnen
Seit die sie dem blutigen Kriege ließen.
Und ich stand, am Ärmel eingehalten
Und mein Rufen blieb mir weg im Gaumen.
Schweigend kehrte ich um, denn ich begehrte nicht mehr
Meinem Sohn ins Gesicht zu sehen.
Bertolt Brecht/Paul Dessau „Die Verurteilung des Lukullus“
An die antifaschistischen Künstler und Schriftsteller
Werte Kolleginnen und Kollegen,
wir wenden uns heute (wieder einmal) an Sie, da wir uns sicher sind, dass Sie die Haltung teilen,
dass wir auf dem Gebiet der Kunst und Literatur in diesen Kriegszeiten auch Verantwortung dafür
tragen und in den Kampf eintreten müssen, das Blatt noch zu wenden.
Dass der deutsche Imperialismus und seine Regierung nach der Einverleibung der DDR und
nachdem die Nachkriegsordnung von 1945 von ihm ad acta gelegt, zum nächsten großen Krieg
treibt, ist unübersehbar. Unübersehbar auch, dass dadurch die Kräfte des Faschismus immer mehr
Auftrieb erhalten.
Unter der Losung
Der WIDERSTAND ist der EINZIGE AUSWEG,
der AUS DEM ELEND IN DER WELT führt:
ARBEITER,
DEIN FRIEDEN IST ROT
UND
BEENDET DEN KRIEG!
werden wir daher mit dem, was uns antifaschistische und proletarische Kunst hinterlassen und neu
übergeben hat im September und Oktober an Großbetrieben, in Stadtteilen und Innenstädten auch
mit Anti-Kriegsmärschen oder Demonstrationen unterwegs sein und zum Widerstand aufrufen.
Sollten Sie persönlich oder z.B. mit einer Stellungnahme, die wir in Flugschriften abdrucken
können, daran teilhaben wollen, so wäre das insbesondere für die Arbeiter und Arbeiterinnen in
Großbetrieben von Automobil, Chemie oder Stahlindustrie und in den Häfen von nicht geringer
Bedeutung!
Denn die Lage, in der wir uns befinden, ist, grob und kurz gesagt, doch die:
Das Elend, das der Imperialismus am Ende seiner Tage über die Welt bringt, indem Arbeiter gegen
Arbeiter gejagt und verheizt werden und das sich nicht nur in der Tötung durch Bomben ausdrückt,
sondern in der Verwüstung ganzer Gebiete und damit in der Vernichtung der Lebensgrundlage von
Hunderttausenden, verlangt den Widerstand. Das Elend, im tag-täglichen Krieg in den Fabriken,
indem Arbeiter gegen Arbeiter gejagt wird und die Zwangsarbeit in der Kriegswirtschaft immer
näher rückt *, verlangt den Widerstand. Das Elend, das über unsere Alten, Kranken und
Nichterwerbsfähigen als „unnötige Esser“ in diesen Kriegszeiten kommt, wo die Füllung der
Kriegskasse der Kapitalisten wichtiger wird als das Menschenleben, verlangt den Widerstand. Das
Elend, das über unsere Kinder gebracht wird, indem der Soldatenstiefel und die Mobilmachung für
den Krieg in Schulen freien Zugang erhält und an den Universitäten für den Krieg statt für das
Leben geforscht werden soll, verlangt den Widerstand. Das Elend von Kunst und Literatur, die
durch Verordnungen, finanzielle und strafrechtliche Maßnahmen an die Kandare der Staatsraison
gebracht werden sollen, nach der selbst ein Brecht, Eisler und viele andere mehr in den Fängen des
Verfassungsschutzes landen würden, verlangt den Widerstand.
Es bedarf also des Widerstands, der Handlung eines jeden einzelnen und der gleichzeitig
organisierten Handlung in der gemeinsamen Tat gegen den deutschen Imperialismus, die uns auf die
Seite der Arbeiter und Unterdrückten weltweit bringt und Schluss macht mit Elend und Krieg.
Daran mitzuwirken persönlich (z.B. in Hamburg, Bremen, Köln, Frankfurt a. M., Nürnberg,
Regensburg, München, … , …. ) oder durch Ihre zeitnahe unterstützende Stellungnahme zur
Veröffentlichung, laden wir Sie herzlich ein.
Mit besten Grüßen,

im Namen der Leitung der Agitproptruppen
des Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD
* siehe „Operationsplan Deutschland“ und „Rahmenrichtlinien für die Gesamtverteidigung – RRGV“ der Bundesregierung
17. Juli 2024
Angela Kammrad
Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD
Tulbeckstraße 4f
80339 München
angelakammrad@aol.com
10. Februar 1898 - 14. August 1956
ERKLÄRUNG
„Jede Kultur dient einer Klasse“ – und die Kultur, der wir verpflichtet sind, ist die des Proletariats, der Klasse, die allen Reichtum schafft, der ihr von den Herrschenden vorenthalten wird, und die sich im Kampf um ihre Befreiung ihre Kultur erobert und vorantreibt.Dabei nimmt sie das Beste vom Besten der durch die gesamte Entwicklung der Menschheit geschaffenen Kultur in Besitz und arbeitet sie um für ihre Zwecke einer proletarischen Kultur. Von der Antike, der Feudalgesellschaft bis hin zur kapitalistischen Gesellschaft einer einstmals revolutionären Bourgeoisie.
Wir sagen: „Proletarische Kultur ist eine Waffe“ (wie es auch die bürgerliche ist) – und wenn dem so ist, dann steht in unserm Land Bertolt Brecht heute mit uns zusammen mehr denn je an vorderster Front im Kampf um eine Antikriegsfront als notwendigem Schritt, dahin zu kommen, dass die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen endet, „dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist“.
Steht in vorderster Front als „Verräter ihrer Anschläge“, als Aufrufer, ihre Tyrannei zu beenden, denn „reden erst die Völker selber, werden sie schnell einig sein“.
Steht als Fragender, als Unruhestifter und Verteidiger der Wissenschaftlichen Weltanschauung des Proletariats, das sich nur selbst befreien kann, literarisch und unliterarisch verwendet, eben ein Helfer, dass „das Einfache, das schwer zu machen ist“, machbar wird.
Wenn im 125. Geburtsjahr von Bertolt Brecht die Barbarei und der Krieg erneut durch die Tür gebrochen ist und nichts anderes als das Ende der herrschenden Klasse ankündigt, die sich nur noch so am Leben halten kann, beeilt sich das Bürgertum, seinen Augsburger Sohn, der ausgezogen ist, ihre Anschläge den Niederen zu verraten, unkenntlich zu machen als Verräter ihrer Anschläge.
Wohl dem, auch dem bürgerlichen Künstler, der sich bei ihnen sauer sein Brot verdient, der mit uns Agitproptruppen zusammen einlöst, was Brecht sich wünschte:
„Schreiben Sie, dass ich unbequem war und es auch nach meinem Tod zu bleiben gedenke. Es gibt auch dann noch gewisse Möglichkeiten.“
Januar 2023
Zentrale Leitung der Agitprotruppen des Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD
Filmveranstaltung
Die deutschen Kriegskosten
Kriegskosten aus den Jahren 2021-2022:- Kriegshaushalt der letzten 2 Jahre 2021-2022: 250 Milliarden
- Deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine: 2 Milliarden (ab 2014)
plus 4 Milliarden aus dem Bundeshaushalt und Kredite - + Milliarden aus dem Wucherstaat an Kriegskonzerne + Zulieferer, wie weitere Milliarden an die Chemie- und IT-Konzerne etc.
- + Milliarden an die Universitäten und Forschungseinrichtungen für Kriegsforschung
- + Weitere Milliarden für Infrastruktur wie Straßen, Brücken, Flughäfen
aus BRD+EU-Haushalt für den Krieg
u.s.w.



